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Felchen - Große Maränen

Felchen, Große Maräne


Lebensraum und Lebensweise

Bei den Felchen, auch Renken oder Maränen genannt, handelt es sich um eine weit verbreitete formenreiche Gruppe, deren systematische Gliederung unklarer ist denn je. Sie leben überwiegend in tiefen, kalten Seen. Außer den stationären Formen der tiefen Seen des Alpen- und Voralpengebiets finden sich aber auch anadrome Wanderformen. Neben typischen Freiwasserformen ("Schwebrenken"), die sich überwiegend von Plankton ernähren, gelten andere Formen als Halden- und Tiefenbewohner ("Bodenrenken"). Die "alpinen" Coregonen des Bodenseegebiets wurden herkömmlicherweise den vier Arten Blaufelchen, Gangfisch, Sandfelchen und Kilch zugeordnet. Zusätzlich wurden wiederholt weitere Coregonen in den See eingesetzt. Vermischungen, auch durch die künstliche Erbrütung in den zahlreichen Brutanstalten, sind deshalb nicht auszuschließen. Die sichere Unterscheidung einzelner Blaufelchen und Gangfische ist anhand äußerer Merkmale oder mit biochemischen Verfahren gegenwärtig nicht möglich. Dennoch lassen sich im Bodensee-Obersee während der Laichzeit sehr klar ufernah laichende und pelagisch (uferfern im Freiwasser) laichende Populationen trennen, was stark auf genetische Unterschiede hinweist. Die Eigröße, das Wachstum und das Verhalten der geschlüpften Larven unterscheidet die beiden Populationen darüber hinaus. Auch die systematische Stellung der Sandfelchen des Bodensee-Untersees ist weiterhin unklar. Bezüglich Laichverhalten, Eigröße, Verhalten und Wachstum der Jungfische bestehen weitgehende übereinstimmungen mit dem Gangfisch des Obersees.

Felchen, die der systematischen Beschreibung des Kilches oder Kropffelchens entsprechen, wurden schon seit rund zwei Jahrzehnten nicht mehr nachgewiesen. In größeren Tiefen gefangene kleine Felchen aus unseren Tagen weisen differierende morphometrische Merkmale auf, die keine klare Zuordnung zur einen oder anderen Art erlauben.

 

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Verbreitung

Die Formengruppe der großen Maräne hat cirkumpolare Verbreitung und bewohnt kühle Gewässer des nördlichen Nordamerikas, Nordeuropas und der nördlichen Sowjetunion. Eiszeitliche Reliktvorkommen finden sich südlich dieses Verbreitungsareals in tiefen, kühlen und sauerstoffreichen Gewässern (z. B. Alpen- und Voralpenseen).


Historische Vorkommen in Baden-Württemberg

Ursprünglich waren die Felchen in Baden-Württemberg auf den Bodensee beschränkt. Die Autoren des letzten Jahrhunderts benannten hier die vier Arten Blaufelchen, Gangfisch, Sandfelchen und Kilch, wobei jedoch teilweise unterschiedliche Felchenformen mit diesen Namen belegt wurden. Leutner (1877) gibt "alpine" Felchen für den Rhein bei Basel an, von denen jedoch
jährlich nur einige Einzelexemplare gefangen wurden. Er sieht hierin aus Schweizer Alpenseen abgewanderte Felchenarten, die er nicht näher zu bestimmen vermochte. Das gleiche gilt für einen Einzelfund aus dem Bereich des Isteiner Klotzes. Nach Fickert (1894) wurden Felchen auch in einzelnen Teichwirtschaften gehalten, von denen sie möglicherweise auch in andere Gewässer gelangten.


Gegenwärtige Vorkommen und Bestandssituation

Der Verbreitungsschwerpunkt liegt nach wie vor im Bodensee, wo die Coregonen große wirtschaftliche Bedeutung haben. Ein guter Bestand etablierte sich im Schluchsee, in jüngerer Zeit auch im Titisee, in den die Felchen durch Besatz eingebracht wurden. Außer den Einzelvorkommen im Hochrhein sind die Funde in anderen Gewässern des Landes auf Besatzexperimente zurückzuführen.


Gefährdungsursachen

Eine starke Gefährdung der Bodenseefelchen ging von dem hohen Nährstoffeintrag aus, der Sauerstoffmangelsituationen am Seeboden zur Folge hat und somit die Entwicklung der Eier stört oder verhindert. Auch die sehr intensive Befischung wirkte sich zeitweise nachteilig auf den Bestand aus. Anderer seits werden Felchen in großem Rahmen in Brutanstalten zur Bestandsstützung nachgezüchtet, wobei jedoch Vermischungen der einzelnen Formen nicht immer ausgeschlossen werden können.

 

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Status

Wirtschaftlich bedeutende Bewohner großer, kühler Seen, deren systematische Zuordnung gegenwärtig diskutiert wird. Als "alpine Maränen" ungefährdet. Die einzelnen Formen unterlagen jedoch möglicherweise starkem Wandel.


Schutzmaßnahmen

Aufgrund der beschriebenen unklaren Verhältnisse sind spezifische Schutzmaßnahmen für einzelne Felchenformen gegen wärtig kaum möglich. Verbesserte Nachzuchtmethoden und die Verbesserung der Belastungssituation des Bodensees sind jedoch wesentliche Beiträge zur generellen Bestandserhaltung.

aus:
Fische in Baden-Württemberg. Informationen des Ministeriums für Ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Baden-Württemberg

 

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